Liebe Schwestern und Brüder,
letzten Mittwoch bei unserer Rorate haben wir im Evangelium viele Namen gehört, mit denen wir wohl nicht viel anfangen konnten. Aber nicht umsonst steht das Matthäusevangelium am Anfang der neutestamentlichen Schriften. Es beginnt mit dem Stammbaum Jesu und der Kindheitsgeschichte des „Davidsohnes“, so die Überschrift (Mt 1,1). Erzählt wird nicht der Ursprung der Welt wie in Gen 1, sondern– anders als bei Lk - der Ursprung Jesu, des verheißenen und in der Geschichte Israels ersehnten Messias. So ist auch der Hl. Josef nicht eine x-beliebige Privatperson, sondern er ist Davidide (Mt 1,7.16.20), gehört in die Genealogie der Abraham-David-Abstammungslinie. Der Stammbaum Jesu knüpft an die Israelgeschichte an. Anders als bei Lk steht nicht Geburt, sondern die durch den Engel im Josefstraum erfolgte Namensgebung Jesu im Zentrum – und die Nebenfigur des schlafenden, träumenden Bauhandwerkers, dem wie Maria und den Hirten bei Lk (Lk 1,30.2,10) vom Engel die Furcht genommen werden muss. Josef in seinem inneren Konflikt wird kurzzeitig zum Protagonisten der Heilsgeschichte.
Mir hat immer gefallen wie Papst Franziskus den Heiligen Josef genannt hat: „Custos“=Hüter. In diesem Wort ist schon die Aufgabe enthalten, die Gott dem Hl. Josef anvertraut hat: Hüter zu sein von Maria und Jesus. Diese Obhut weitet sich aus auf die Kirche, auf uns alle. Rücksichtsvoll, demütig, im Stillen, aber beständig gegenwärtig und in Treue, auch dann, wenn er nicht versteht. An ihm sehen wir wieman auf den Ruf Gottes antwortet: verfügbar; aber wir sehen auch, welches die Mitte der christlichen Berufung ist: Christus! Die Menschen zu hüten, sich um alle zu kümmern, um jeden Einzelnen, mit Liebe, besonders um die Kinder, die alten Menschen, um die, welche schwächer sind und oft in unserem Herzen an den Rand gedrängt werden. „Seid Hüter der Gaben Gottes!“ (Papst Franziskus).
Das sei mein Weihnachtswunsch für euch alle: In der Stille der Heiligen Nacht wird Gottes Liebe sichtbar- Ein Kind kommt in die Welt, zerbrechlich und voller Würde – und erinnert uns wie kostbar alles Leben ist. Daran erinnert uns der Hl. Josef. Dazu ist er gestanden.
Gesegnete Weihnachten und viel Liebe und „Hüterqualitäten“ fürs neue Jahr 2026
Euer P. Josef
Gaudete
Mit dem Namen des heutigen Sonntags begrüße ich euch alle: Gaudete, freut euch. „Ewige Freude ist auf ihren Häuptern, Jubel und Freude stellen sich ein, Kummer und Seufzen entfliehen“. So die Schlussworte der heutigen Lesung. Vielleicht sind manche von euch wirklich mit Freude erfüllt über diese besondere Zeit des Advents und mit der Vorfreude auf das Weihnachtsfest. Und die Kinder freuen sich sicher schon besonders.
Schauen wir genauer auf die Texte: Es ist die Wüste, die sich freuen wird. Die Wüste ist trocken, verlassen, lebensfeindlich. Das Volk Gottes lebt im Exil. Jenseits einer weiten Wüste liegt ihre nach wie vor tief ersehnte Heimat. Wüste ist nicht nur ein Ort, sondern auch eine Zeit. Wer von uns kennt nicht Wüstenzeiten? Manche Menschen fühlen sich in einer Lebensphase einsam wie in einer Wüste…Euch fallen sicher viele Beispiele ein für Zeiten und Orte von Wüste, die sich trocken, einsam und lebensfeindliche anfühlen. Und das Volk Gottes hatte viele Wüstenerfahrungen durchmachen müssen. Zeiten von Schlappheit, von Müdigkeit, von Depression. Und nun soll sich ihre innere Wüste freuen. „Jubeln werden die Wüste und das trockene Land, jauchzen wird die Steppe und blühen wie die Lilie“. Ich habe in Kenya meinen Urlaub immer in der Wüste im Norden verbracht, wo wir eine Mission hatten. In der Regenzeit kann sie sich in wenigen Tagen in ein grünes, blühendes Land verwandeln. So ist dieses Bild ein Hoffnungsbild.
Die adventlichen Texte wollen uns dies sagen: Wenn Gott in unsere Welt kommt, verändert das alles: Ich sehe wie da und dort bei mir und in der großen weiten Welt Wüsten zu blühen beginnen. Ich spüre eine neue Kraft in mir und eine Lust, diesen Blick in dieser Zeit zu ermöglichen. So soll es an Weihnachten nicht nur zum Auspacken von Geschenken kommen, sondern alles, was wir da miteinander feiern, sei Zeichen eines neuen Blickwechsels. Das ist doch Grund zur Freude, wenn nicht alles beim Alten bleibt!
Seid gesegnet euer P. Sepp
Der 2. Adventsonntag ist geprägt von der Gestalt des Johannes d. Täufers.
Im Sommer stand ich gebannt vor dem Isenheimer Altar in Colmar. Unter dem Kreuz steht mit einem großen Zeigefinger auf den Gekreuzigten zeigend Johannes d. Täufer. Er hat sich freiwillig in die Wüste begeben, um dort die Umkehr zu predigen: seine Predigt ist hart
Hier wird schon die erste vorbildliche Eigenschaft des Täufers deutlich: Er stellt sich nicht selbst in den Mittelpunkt. Johannes der Täufer ist seinem ganzen Wesen nach ein Fingerzeig auf den eigentlichen Herrn, auf den wirklichen Erlöser. Das ist eine Aufgabe für jeden Christen. „Wir sind alle berufen, heilig zu sein, indem wir in der Liebe leben und im täglichen Tun unser persönliches Zeugnis ablegen, jeder an dem Platz, an dem er sich befindet“, schreibt Papst Franziskus über die Heiligkeit in der Welt von heute. Jeder Christ soll durch dieses Zeugnis auf Gott hinweisen – egal wo.
Johannes hat sich den Ort der Wüste ausgesucht. Das spiegelt schon selbst einen Teil des Evangeliums wider, dass das öffentliche Auftreten Jesu in der Wüste seinen Anfang nimmt – dort also, wo nichts wächst, wo nichts leben kann. Gerade an diesem Ort nimmt die frohe Botschaft vom Leben ihren Ausgang: Gerade in der Wüste tritt Johannes der Täufer auf, gerade in der Wüste lässt Jesus sich taufen.
Auch gerade heute und auch um uns herum leben viele Menschen in einer Wüste: In Lebenssituationen, die unwirtlich und lebensfeindlich sind, die das psychische oder physische Überleben schwierig machen. Jeder Christ ist dazu aufgerufen, anderen Menschen ein Beistand zu sein, eine Hilfe, eine Stütze. „Die Identifikation mit Christus und seinen Wünschen impliziert das Bemühen, mit ihm das Reich der Liebe, der Gerechtigkeit und des Friedens für alle zu errichten“, schreibt Papst Franziskus. Der Aufbau an diesem Reich, die Kultivierung der Wüste um uns herum, ist Aufgabe für jeden Christen. Johannes der Täufer ist darin ein Vorbild: Durch sein Zeugnis hat er die Wüste zum Ort des Lebens gemacht.
Quelle: Von Matthias Grünewald - The Yorck Project (2002) 10.000 Meisterwerke der Malerei (DVD-ROM), distributed by DIRECTMEDIA Publishing GmbH. ISBN: 3936122202., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=152339