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Inhalt:

Damals & Heute

Graz-St.Peter auf Zeitreise 1233–2026

 

 

Manfred Oswald, Oberst i. R.
Graz, 22. Juni 2026

St. Peter hieß im 13.Jahrhundert ursprünglich Tremendorf, dort befand sich eine kleine romanische Saalkirche in Rechteckform, die damals schon länger bestanden haben muss.

Tremendorf lag mitten im Gebiet des großen landesfürstlichen Besitzes, die Kirche könnte daher schon vor Gründung von Graz als eine Eigenkirche der niederen Adeligen erbaut worden sein.
Die erste urkundliche Erwähnung der römisch - katholischen Pfarrkirche St. Peter erfolgte 1258.
Die Kirche wurde in erhöhter Lage , am östlichen Rand des Grazer Beckens erbaut.
Sie hatte für das etwas tiefer liegende Straßendorf St. Peter bei Graz eine Wehrfunktion zu erfüllen und war mit einer Wehrmauer umgeben. 1532 wurde der Ort von den Türken erobert und die Kirche zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte im 16. Jahrhundert, der Kirchturm wurde nun zum Wehrturm ausgebaut.

Eine weitere denkmalgeschützte Baulichkeit ist das Schloss Messendorf, (St.Peter Hauptstraße 182) , ursprünglich ein adeliger Gutshof, der erstmals 1233 als Mezzendorf urkundlich erwähnt wurde.
Im späten 16. Jahrhundert wurde das Gebäude von den Grafen Lengheimb zum repräsentativen Schloss im Stil der Spätrenaissance ausgebaut. Nach 1865 übernahm das Land Steiermark den Besitz und verwendete es als Landes – Zwangsarbeitshaus für 150 rückfällige Straftäter. Während der „Ständestaat“- Diktatur wurde das Schloss Messendorf 1934/35 als Anhaltelager und Notarrest für etwa 250 Nationalsozialisten und Sozialdemokraten verwendet. In der NS Zeit war die Gau Heil- und Pflegeanstalt Messendorf für 220 Arbeitspfleglinge eine Zweiganstalt der Landes Heil- und Pflegeanstalt für Geisteskranke „ Am Feldhof“.
1940/1941 wurden von der Landes- Heil- und Pflegeanstalt für Geisteskranke „Am Feldhof“ in zwölf Eisenbahntransporten 1.177 Patienten aus der Region Graz in die Vernichtungsanstalt Schloss Hartheim bei Linz gebracht um dort in Zuge der Aktion T 4 mittels Gas ermordet zu werden.

Die Zweiganstalt Messendorf des heutigen LKH Graz II, Standort Süd wurde 1978 geschlossen, 1980 wurde das dreistöckige Gebäude gesprengt und alle weiteren Gebäude abgerissen, einzig das „Schlössl“ wurde unter Denkmalschutz gestellt und blieb erhalten. Heute gut erkennbar durch die große Uhr aus dem Jahre 1802, die sich am Zwerchgiebeldach auf der Nordseite der Baulichkeit befindet. Eine Gedenktafel des Landes Steiermark befindet sich seit 2022 beim Eingangstor und erinnert an die dunkle Geschichte vom Schloss Messendorf.
1985 wurde die Liegenschaft Messendorf von der Freien Waldorfschule Graz vom Land Steiermark (KAGes) bis Ende 2095 gepachtet, im Sommer 1985 erfolgte die erste Bauetappe der Teilsanierung, im Herbst 1987 begann der Schulunterricht. Im Oktober 2020 errichteten SchülerInnen der Freien Waldorfschule Graz eine Gedenkstätte mit einem Bronzerelief vor dem “ Schlössl“, um an die Opfer der Medizinverbrechen aus Messendorf zu erinnern.

Nach dem „Anschluß“ an Deutschland im Jahre 1938 wurde das Pfarr- und Straßendorf St. Peter bei Graz und der Hauptteil von Messendorf, von der Stadt Graz eingemeindet und zum 8. Bezirk der Landeshauptstadt mit derzeit 18.5000 Einwohnerinnen und Einwohnern. (Stand 01.01.2026 )

Auf Grund verwertbarer Lehmvorkommen im Raum St. Peter und Messendorf wurden im 19. Jahrhundert zwölf Ziegelwerke in St.Peter errichtet. Italienische Wanderarbeiter aus Buja bei Udine (Friaul) kamen mit ihren Familien nach St. Peter und Messendorf und produzierten in der frostfreien Zeit Ziegel, da der Bedarf an Baumaterial während der Gründerzeit in Graz stark angestiegen war. Die Betriebe wuchsen und es bildeten sich Ziegeleidynastien wie Angelo Eustacchio (1837-1918) oder Giovanni Aita (1825-1893) , aber auch Ferdinand Haugeneder (1888-1947) und Franz Kraxner (1867-1920) aus St.Peter.
Johann Eustacchio (1869-1909) ein Sohn von Angelo Eustacchio studierte in Graz und wurde ein Architekt des Späthistorismus, er erbaute in der Zeit der k.u.k Monarchie in den Jahren 1908 -1910 im Kurort Portoroz, Slowenien, das Palace Hotel, heute in Verwendung als ein Fünf-Sterne-Luxushotel der Kempinski – Hotelgruppe.

1902 wurden in der Gartenstadt die ersten Villen im „Ersten Grazer Cottageviertel“ erbaut. Einer ihrer Bewohner war der Dichter Rudolf Hans Bartsch (1873 – 1952).
Ab 1906 fuhr die erste Straßenbahn nach St. Peter, der Gleisanschluß an die Stadt Graz war eine wesentliche Voraussetzung zur Gründung der Gartenstadt.

Westlich der Gartenstadt , in der Nußbaumerstrasse 36 wurde 1929 das erste Landesstudio der RAVAG (RadioVerkehrs AG) erbaut. Ein 156 Meter hoher Rundfunk-Sendemast wurde 1937 errichtet und 1939 wieder abgebaut und nach Dobl versetzt, wo er für die neue Mittelwellenanlage „Sender Alpen“ ab 1941 in Betrieb ging, als eine Großsendeanlage während der Kriegszeit . 1984 erfolgte die Stilllegung, die Gemeinde Dobl kaufte 1988 den Sender, heute steht er unter Denkmalschutz.

1978 bis 1981 wurde das ORF-Landesstudio Steiermark an der Marburgerstraße 20 vom Wiener Architekten Gustav Peichl (1928-2019) errichtet.
Seit 1988 produziert das ORF Landesstudio Steiermark die tägliche Nachrichtensendung „Steiermark heute“. Im Sommer finden auf der „Hör- & Seebühne“ am Funkhausteich im Park des ORF- Landesstudios Kulturveranstaltungen statt.

Die größte bauliche Veränderung erfuhr St.Peter ab 1972 bis 1978 durch den Bau der Terrassenhaussiedlung, die größte zusammenhängende und international bekannte Wohnsiedlung der Steiermark. Die Terrassenhaussiedlung besitzt als eigener Stadtteil ein autofreies Zentrum und eine unterirdische Sammelgarage mit rund 550 PKW-Stellplätzen. In vier Großbauten wurden 522 Eigentumswohnungen auf dem Gelände eines ehemaligen Ziegelwerkes errichtet. Im April 2025 wurde die Terrassenhaussiedlung als Ensembledenkmal der Nachkriegsmoderne/ Brutalismus unter Denkmalschutz gestellt.
Von 1987 bis 1997 wurden auf dem Grundstück der ehemaligen Ziegelfabrik Wienerberger der Prof. Franz Spath Ring erbaut. Etwa 600 Eigentumswohnungen mit teilweisen eigenen Gartenanteil wurden von der ÖWG in einer modernen, autofreien Wohnanlage errichtet.

Ein für Europa einzigartiges Wärmeprojekt wurde 2018 auf dem 20 Hektar großen Gelände der „Altdeponie Köglerweg“ , dem ehemaligem Sturzplatz der Landeshauptstadt Graz, erbaut. Die Energie Graz errichtete das erneuerbare Großspeicherprojekt „Helios“, wodurch derzeit 700 Haushalte mit Wärme und Strom versorgt werden. Herzstück dieses Projektes ist ein druckloser Wärmespeicher mit einer Höhe von 26 Metern welcher die thermischen Energievorräte bevorratet.

Ein sehenswertes Wunderwerk der Technik befindet sich seit 1992 in der Styriastraße 20. Die Styria Druckerei druckt dort täglich 200.000 Stück der Kleinen Zeitung, neben der Kleinen Zeitung werden von der Styria Print Group zahlreiche weitere bekannte Tages-, Wochen- und Regionalzeitungen gedruckt, ( Die Presse, die Woche, der Grazer) sowie Zeitungen für den slowenischen und kroatischen Medienmarkt.

In der Schmiedlstraße 6 befindet sich das Victor Franz Hess-Forschungszentrum der ÖAW. Seit 1980 erforschen etwa 100 Menschen aus dem In – und Ausland im Institut für Weltraumforschung die Physik unseres Sonnensystems und die Vielfalt der Exoplaneten.
Am Observatorium Lustbühel betreibt die ÖWA eine Satelliten Laserstation, die zu den besten der Welt zählt. Das IWF ist das einzige Institut in Österreich, das weltraumtaugliche Messgeräte im großen Rahmen entwickelt und baut.

Der „Grazer Urwald“ am Messendorfberg 61, mit einer Fläche von drei Hektar, ist eine Öko- Insel im Bezirk St.Peter. Eine Vielfalt an Gehölz und Pflanzen aus der ganzen Welt wächst auf dem Gelände der 1876 gegründeten ehemaligen Baumschule Wilhelm Klenert, welche in der Donaumonarchie die größte Baumschule Europas war. Ein 1904 gepflanzter Riesenmammutbaum am Eingang zum „Grazer Urwald“ ist als Naturdenkmal ausgewiesen.
Seit 1993 ist der „Grazer Urwald“ im Privateigentum der Naturschutzjugend Steiermark, die das Gelände als Naturlern- und Erlebnisraum nutzt, der Zutritt ist bis auf Widerruf für die Öffentlichkeit gestattet.

Der nördlich vom Ortsfriedhof St.Peter gelegene Aita-Teich wurde im Zuge der Hochwasserschutz Baumaßnahmen 2021 ein Naherholungsraum. Die Uferzone des Hochwasserrückhaltebeckens ist für Spaziergänger öffentlich nutzbar und wurde zum „Naherholungsbereich am Petersbach.“

Das Naturschutzgebiet „Eustacchio Gründe“ ist seit 1978 ein sechs Hektar großer geschützter Landschaftsteil der Stadt Graz und befindet sich neben dem Bauernmarkt Waltendorf - St.Peter und dem Bezirkssportplatz Eustacchio Gründe , wo sich auch eine Pumptrackanlage und ein Beachvolleyball-, ein Fußball- und ein Basketballplatz befinden , sowie die Reste eines ehemaligen Ziegelbrennofens des Ziegelwerkes der Familie Eustacchio.

Der Emil-Breisach-Park beim ORF-Landesstudio Steiermark besitzt seit 2021 einen Motorik- und Fitnesspark. 2020 wurde der Parkanteil um einen öffentlich zugänglichen Gemeinschaftsgarten „Santa Garterina“ erweitert. Interessierte aus dem Bezirk und Jugendliche von Jugend am Werk (JaW) treffen sich regemäßig zur gemeinsamen Gartenarbeit.
In der St.Peter Hauptstraße 206 , in unmittelbarer Nähe vom Schloss Messendorf , befindet sich seit 1988 eine Heimgartenanlage der Stadt Graz mit 107 Mitgliedern.(www.hga-stadtgraz.at).
Am Messendorfgrund 10b , nahe dem Trainingszentrum vom Sportklub Sturm Graz , befindet sich mit 37 Mitgliedern der Heimgartenverein Messendorf.
Der Bezirk St.Peter vereint städtische Infrastruktur mit dörflichem Charme und gilt dank zahlreicher Naherholungsgebiete, guter Wohnanlagen und vielfältigen Angeboten als äußerst lebenswert.


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Pfarre Graz-St. Peter
Gruber-Mohr-Weg 9, 8042 Graz
Festnetz: +43 (316) 471072-0
Fax: +43 (316) 471072-4
E-Mail: graz-st-peter@graz-seckau.at

Öffnungszeiten Pfarrkanzlei:
Mi und Fr 9 - 12 Uhr, Di 16 - 19 Uhr
Öffnungszeiten Friedhofskanzlei:
Mo 9 - 12 Uhr, Fr 9 - 12 Uhr

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